Galerie Schrade, Karlsruhe, Einzelansicht
Freitag, 18. Mai 2012
09.07.09 15:06
Wolfgang Isle, Uli Pohl - 18. September bis 24. Oktober 2009
Wolfgang Isle - Malerei, Uli Pohl - Skulpturen, Eröffnung: Freitag, 18. September, 18.00 - 22.00 Uhr, im Rahmen des Karlsruher Galerienrundgangs.
Zwei fabelhafte Gegensätze: Wolfgang Isle und Uli Pohl. Hier dynamisch gestische Figuration - auf Leinwand gebannt. Dort die Strenge der konkreten Plastik - aus Plexiglas. Am Freitag, dem 18. September, eröffnen wir unsere Ausstellung im Rahmen des Karlsruher Galerienrundgangs von 18.00 – 22.00 Uhr und zeigen die Malerei und Objektkunst der beiden spannenden Künstler in der Galerie am Zirkel.Die aktuelle Ausstellung steht im Zeichen des Kontrastes. Der Wahrnehmung und Wirkungsästhetik. Frontal und unmittelbar spricht die Malerei von Wolfgang Isle (1945-1996) den Betrachter an. Nicht zuletzt, weil seine obsessiv anmutenden Aktionsfelder individuelle wie gesellschaftliche Ängste bloßlegen. Bildaufbau und Malweise kennzeichnet eine „reflektierte Expressivität“. Die Artefakte sind Schicht um Schicht erarbeitet, verbinden expressiven Gestus mit Zeichnung, die Isle als das Medium von höchster Genauigkeit versteht.
Drei große Themenkreise haben ihn beschäftigt: Porträts, Geschlechterkampf und Massenauftritte. Künstlerische Bezugspunkte des Malers hat man oft in der Berliner Kunst der 70er Jahre gesehen, zu deren Entwicklung er einen nicht unwesentlichen Beitrag geleistet hat. Formen der Gegenständlichkeit und Figuration erschienen damals als rebellisch, als engagierte Alternativen zur Weltsprache des Informel, aber auch zur PopArt und Konzeptkunst. Heute ist Wolfgang Isle nicht zuletzt wegen seiner unmittelbaren Kunst aktuell wie nie. Es ist eine Malerei, die betroffen macht. Unter die Haut geht. Im Kopf bleibt.
Auch die Arbeiten des gebürtigen Münchners Uli Pohl (*1935) setzen Zeichen. Diese sind seit dem Studium an der Akademie der Bildenden Künste München der Konkreten Kunst zuzuordnen. Pohl gehörte den internationalen Gruppen ZERO und NOUVELLE TENDANCE an – ein deutliches Zeichen und Position gegen den damals vorherrschenden Stil des Tachismus und Informel. 1958 beginnt Uli Pohl transparente Objekte zu entwickeln. Es ist der kompakte Glasblock, aus dem er seine Skulpturen herausarbeitet. Hierin ist er Vorreiter. Die Idee dahinter: Grenzen sprengen, überschreiten. Die totale Integration der Skulptur im Raum.
Uli Pohl über seine Kunst:
„Die Formulierung: >>Bestimmt ist mein Produzieren durch die Tendenz zur Klarheit, Kontrollierbarkeit und Ordnung<<, bezog sich nie vordergründig auf die Transparenz des von mir verwendeten Materials, sondern vielmehr auf die Nachvollziehbarkeit der Konzeption, die jedem Werk zugrunde liegt. (…) Das setzte voraus, daß ich sehr bewußt auf einen neuen Betrachter hin arbeitete. Ich will damit sagen, einen Rezipienten, der gewillt ist mit Kunst aktiv umzugehen, der aktiv und selbstbeteiligt schaut, denkt, frägt, sucht und forscht.“
Wolfgang Isle über seine Kunst:
„Die Arbeit des Künstlers hat mit der Wahrheit insofern zu tun, als er unseren Kopf nimmt, ihn in eine Richtung wendet und sagt: Schau!"
KURZBIOGRAFIEN
Uli Pohl
1935 in München geboren; Studium an der Akademie der Bildenden Künste München bei Ernst Geitlinger seit 1958 lichtplastische Skulpturen und Zeichnungen ab 1961 beteiligt u.a. an den Ausstellungen der Gruppe „Zero“, Mitglied der intern. Gruppe „Nouvelle Tendance“, Paris. Beteilgt an sämtlichen Ausstellungen, u.a. „Nouvelle Tendance“ (Louvre), Paris und „The Responsive Eye“ (Museum of Modern Art), New York. Buch und Regie zu einem Fernsehfilm für den Hessischen Rundfunk über die Bildhauer Wotruba, Avramidis und Urteil. 1967-71 Lehrtätigkeit an der Hochschule für Bildende Künste, Hamburg. Lehraufträge in Bremen und Offenbach. 1997 Künstlerische Gestaltung der Ausstellung „600 Jahre Schwörbrief – Die Ulmer Bürgerschaft auf dem Weg zur Demokratie“, Stadthaus Ulm.
Kunstpreise: 1963 Großer Preis der IV. Biennale San Marino 1971 gemeinsam mit der Gruppe Zero Kunstpreis der Böttcherstraße, Bremen 1980 Großer Preis der 1. Triennale für Kleinplastik, Fellbach, und Bürgerpreis der 1. Triennale.
Wolfgang Isle
1945 in Rodheim v.d.H./Hessen geboren 1965-68 Abendschule Staatliche Hochschule für Bildende Künste, Frankfurt a.M. 1969-73 Tätigkeit als Werbefotograf 1972-78 Studium der Malerei, Film und Video an der Hochschule der Bildenden Künste Berlin bei den Professoren Jaenisch, Ackermann, Marwan und Ramsbott sowie Studium der Kunstgeschichte an der Technischen Universität Berlin bei den Professoren von Manteuffel und Heikamp 1973 Begegnung mit Allan Kaprow und Wolf Vostell während der Aktion der Avantgarde 1973 an der Kunsthochschule Berlin; Herstellung von Videofilmen für Taka Immura 1974 Gründung Gruppe AARA ARA mit Rainer Fetting, Barbara Heinisch u.a. 1978-80 Veranstaltung von Filmund Videoseminaren an der Hochschule der Bildenden Künste Berlin 1978 Fotoarbeiten für die Monographie: Curth Georg Becker (1904-1972) 1981-83 Lehrauftrag an der Mettnauschule Radolfzell 1985-90 wohnhaft in Lucklum-Erkerode/ Braunschweig 1990 Übersiedlung auf die Höri, Bezug des Ateliers im ehemaligen Kloster Öhningen 1996 verstorben im Mai 1997 Leihgabe „Nachlaß Wolfgang Isle“ an das Städtische Kunstmuseum Singen 2004 der Nachlass wird von der Galerie Schrade Schloß Mochental übernommen.
© galerie-schrade.de 09.07.09
